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Projektowanie9 Min. LesezeitMarcin · 12.05.2026

Großraum vs. abgetrennte Arbeitszonen

Eine Analyse von Kompromissen, Trends und praktischen Hybridlösungen. Wann hilft die Raumaufteilung wirklich und wann stört sie?

Geschichte und Mythos des Großraumbüros

Das Großraumbüro gewann in den 1990er-Jahren als dominierendes Büromodell an Popularität. Das Versprechen war einfach: mehr Zusammenarbeit, besserer Informationsfluss, niedrigere Mietkosten. Die ersten Studien schienen diese Annahmen zu bestätigen, zumindest in kreativen und gestalterischen Umfeldern.

Das Problem ist, dass über die Jahrzehnte dasselbe Konzept überall unkritisch angewendet wurde: in Callcentern, Kanzleien, Marketingagenturen und Finanzabteilungen. Forschungen aus den Jahren 2010–2020 lieferten jedoch uneindeutige Ergebnisse, die dem ursprünglichen Versprechen oft widersprachen.

Was sagt die Wissenschaft?

Eine in Philosophical Transactions of the Royal Society B veröffentlichte Studie (Bernstein und Turban, 2018) zeigte, dass der Wechsel zum Großraum die direkten persönlichen Interaktionen um 70 % reduzierte und sie durch elektronische Kommunikation ersetzte. Mitarbeiter in offenen Räumen sprachen seltener spontan, weil sie sich beobachtet fühlten.

Finnische Forschung (Haapakangas et al., 2014) zeigte, dass ablenkender Sprachlärm im Großraum die Fehler in Lese- und Schreibtests um 66 % erhöht und das subjektive Unbehagen proportional zum RT60 steigt.

Andererseits ergab eine Metaanalyse von CBRE (2022), dass Mitarbeiter, die ihren Arbeitsort im Laufe des Tages wählen können, eine höhere Zufriedenheit angeben als jene, die einem festen Büro oder einem festen Arbeitsplatz im Großraum zugewiesen sind.

Das Fazit: Es geht nicht um Großraum vs. Einzelbüros. Es geht um die Kontrolle über die Umgebung.

Das Hybridmodell: Activity-Based Working

Das derzeit dominierende Modell der Bürogestaltung ist ABW (Activity-Based Working): keine zugewiesenen Arbeitsplätze, sondern verschiedene Zonen, die für unterschiedliche Tätigkeitsarten optimiert sind.

  • Deep Work — Arbeitsplätze mit hohen Trennwänden oder individuelle Boxen für konzentriertes Arbeiten
  • Zusammenarbeit — Workshop-Tische, mobile Whiteboards, offener Raum ohne Trennwände
  • Kommunikation — Telefon- und Videogespräche in kleinen Kabinen oder abgetrennten Zonen
  • Sozialisierung — Küche, Kaffeezone, Sofas, nicht standardisierte Sitzgelegenheiten

Der Schlüssel ist die Vielfalt: Ein Mitarbeiter sollte den zur Aufgabe passenden Raumtyp wählen können.

Die Rolle der Trennwände

Trennwände müssen keine festen Räume definieren. Sie erfüllen im Hybridmodell mehrere Funktionen. Sie trennen Zonen ab, ohne Wände zu bauen: Die Grenze ist sichtbar, lässt sich aber innerhalb weniger Stunden versetzen. Sie absorbieren Schall an der Quelle und reduzieren den Hintergrundlärm in Konzentrationszonen. Sie schaffen ein Gefühl von Ort und psychologischer Privatsphäre, auch wenn sie keine vollständige Schalldämmung bieten.

Forschungen von Johnson Controls zeigten, dass der Einsatz von Trennwänden (System 20) in Kombination mit einer Akustikdecke die subjektive Lärmwahrnehmung um 40–55 % reduziert, ohne das Element der „Offenheit" zu beseitigen.

Praktische Empfehlungen

Bevor Sie entscheiden, ob Sie den Raum aufteilen, beantworten Sie diese Fragen: Was ist die hauptsächliche Art der Arbeit? (kreativ, administrativ, Kundenservice), wie viele Arbeitsplätze erfordern konzentrierte Arbeit von mehr als 2 Stunden pro Tag?, wie hoch ist der aktuelle RT60 und wie viele Beschwerden betreffen Lärm?

Wenn mehr als 40 % der Mitarbeiter Arbeit verrichten, die Konzentration erfordert, und der RT60 0,7 s übersteigt, bringt die Abtrennung von Zonen mit Trennwänden und/oder Kabinen eine messbare Produktivitätssteigerung. Ist die Arbeit hauptsächlich gestalterisch und kollaborativ, ist das Geld besser in Absorption (Decke, Teppiche, Wandpaneele) investiert als in Abtrennung.

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